Solaranlage auf einer Villa auf Mallorca: Eigenverbrauch, Speicher, Genehmigungen und die reale Ersparnis
Praxisleitfaden zur Photovoltaik mit Eigenverbrauch in Luxusvillen auf Mallorca: richtige Auslegung, Speicher, Behördenwege, IBI- und ICIO-Nachlässe, Wartung.
Mallorca gehört zu den besten Standorten Europas für Photovoltaik am Eigenheim: Eine gut ausgerichtete, verschattungsfreie Anlage liefert in der Größenordnung von 1.500 bis 1.700 kWh pro Jahr je installiertem kWp, also etwa das Doppelte derselben Anlage in Norddeutschland, Belgien oder Großbritannien – Herkunftsländer eines großen Teils der Villeneigentümer auf der Insel. Das stärkere Argument ist jedoch nicht die Einstrahlung, sondern der Verlauf der Verbrauchskurve einer mediterranen Villa. Die Stromrechnung eines Luxushauses im Südwesten hat mit der einer Wohnung nichts gemein: Klimaanlagen in mehreren Räumen über die heißen Monate, Filterpumpe des Pools, Wärmepumpe bei beheiztem Pool, Entfeuchtung im Untergeschoss oder Technikraum, automatische Bewässerung, Haussteuerung, Kameras und immer häufiger ein Elektroauto in der Garage. Dieser Bedarf konzentriert sich genau auf die Mittagsstunden und auf die strahlungsreichsten Monate – also genau dann, wenn das Dach produziert. Keine andere Wohnform passt so gut zum Eigenverbrauch. Grob gerechnet deckt eine Anlage ohne Speicher rund 30 % bis 45 % des Jahresverbrauchs des Hauses; mit passend ausgelegtem Speicher und halbwegs geordneten Nutzungsgewohnheiten liegt der Wert in der Hochsaison deutlich über 60 %. Den Rest kauft das Haus weiterhin aus dem Netz, und dort entscheidet sich, ob die Investition vernünftig oder eine teure Spielerei ist.
Der häufigste Fehler ist die Auslegung nach Jahresverbrauch statt nach Stundenkurve. Eine Villa, die im Juli und August genutzt, einige Wochen vermietet wird und den Winter über leer steht, hat ein völlig anderes Profil als ein dauerhaft bewohntes Haus, und das bestimmt die optimale Anlagengröße. Der spanische Rechtsrahmen zum Eigenverbrauch – Real Decreto 244/2019 sowie Real Decreto-ley 15/2018, mit dem die sogenannte Sonnensteuer abgeschafft wurde – erlaubt die vereinfachte Überschussvergütung: Was das Haus einspeist, wird auf der Rechnung desselben Abrechnungszeitraums gutgeschrieben, das Guthaben darf jedoch die Kosten der in diesem Monat bezogenen Energie nicht übersteigen und wird nicht in den Folgemonat übertragen. Auf die Villa übersetzt: Die Überschüsse eines Augusts mit leerem Haus bezahlen nicht den Verbrauch an Weihnachten. Praktisch heißt das, dass Eigenverbrauch dem Einspeisen vorzuziehen ist – und das gelingt eher über die Zeitsteuerung als über zusätzliche Module: Poolfilterung in den Mittagsstunden, Wärmepumpe und Luft-Wasser-Systeme auf die Mittagszeit gelegt, der Warmwasserspeicher als günstiger Wärmespeicher, das Elektroauto tagsüber geladen und, wenn das Budget es zulässt, ein Batteriespeicher, der die Nachmittagserzeugung in den Abend verschiebt – dann, wenn die Villa beleuchtet, die Schlafzimmer gekühlt und gekocht wird. Als Größenordnung: Ein Haus mit moderater Nutzung ist mit 5 bis 8 kWp gelöst; eine Villa mit Klimatisierung in allen Räumen, beheiztem Pool und Elektroauto verlangt eher 10 bis 15 kWp und einen Speicher mit 10 bis 15 kWh nutzbar. Die schlüsselfertigen Kosten bewegen sich bei Qualitätskomponenten in einem Orientierungsrahmen von 1.200 bis 1.800 € je installiertem kWp, der Speicher kommt mit etwa 600 bis 900 € je nutzbarer kWh hinzu; realistische Amortisationszeiten auf der Insel liegen bei tatsächlicher Nutzung über einen Teil des Jahres ohne Förderung zwischen sechs und zehn Jahren.
Am Verwaltungsteil scheitern die meisten Vorhaben, und auf Mallorca hat er Besonderheiten. Eine Aufdachanlage auf einem Einfamilienhaus wird bei der Gemeinde in der Regel über eine declaración responsable oder eine vorherige Anzeige abgewickelt und nicht über eine große Baugenehmigung, muss anschließend aber bei der Energiebehörde der Balearenregierung legalisiert werden – mit Installationsbescheinigung, technischer Auslegungsdokumentation und, ab etwa 10 kW, einem unterzeichneten technischen Projekt; danach werden die Verträge mit Netzbetreiber und Stromlieferant angepasst, um den Eigenverbrauch mit Überschusseinspeisung zu aktivieren. So weit der Standard. Inseltypisch sind die Schutzschichten des Territoriums: Liegt die Villa im ländlichen Außenbereich, in einem Gebiet von besonderem Naturinteresse oder in einer landschaftlich geschützten Zone, oder ist das Gebäude denkmalgeschützt, kann die zuständige Stelle die Sichtbarkeit der Module von öffentlichen Wegen oder von See aus bewerten, eine dachbündige Integration verlangen oder aufgeständerte Konstruktionen und Freiflächenanlagen im Garten einschränken. Das gehört vor die Unterschrift, nicht danach. Auf der Habenseite erlaubt das spanische Kommunalabgabenrecht den Gemeinden, die Grundsteuer IBI über mehrere Jahre um bis zu 50 % und die Bausteuer ICIO um bis zu 95 % für Solaranlagen zu ermäßigen; mehrere Gemeinden im Südwesten haben diese Nachlässe in ihren Steuersatzungen verankert. Sie müssen ausdrücklich beantragt werden und setzen fast immer zertifizierte Komponenten sowie voraus, dass die Anlage nicht ohnehin gesetzlich vorgeschrieben ist. Hinzu kommen regionale Förderaufrufe zum Eigenverbrauch, die zeitlich begrenzt geöffnet werden und im Moment der Beauftragung geprüft werden sollten. Ein wichtiger Punkt für ausländische Eigentümer: Die spanischen Einkommensteuerabzüge für energetische Sanierungsmaßnahmen gelten für Steuerinländer, wer also als Nichtresident besteuert wird, kann sie in der Regel nicht nutzen – die IBI- und ICIO-Nachlässe hingegen schon, denn es sind kommunale, an die Immobilie gebundene Abgaben.
Bleibt, was im Verkaufsangebot selten steht: Eine Solaranlage auf einer Villa auf Mallorca steht im Freien in einem aggressiven Klima, auf einem Haus, in dem viele Monate niemand ist. Salzluft in erster Linie, Saharastaub, Kiefernpollen und Möwenkot bilden einen Film, der den Ertrag messbar senkt; ein verschmutztes Modul verliert leicht 5 % bis 15 % Leistung. Bei einem Küstenhaus ist eine Reinigung mit entmineralisiertem Wasser ein- bis zweimal jährlich sinnvoll, am besten früh am Morgen und nie auf heißem Glas. Verschattung ist der zweite stille Gegner: Eine Kiefer oder Palme, die bei der Inbetriebnahme nicht störte, wirft drei Jahre später am Nachmittag einen Schatten, der einen ganzen Modulstrang ausbremst – Rückschnitt ist dann keine Gartenarbeit mehr, sondern Anlagenwartung. Zu beobachten sind außerdem der Wechselrichter, das Bauteil, das zuerst ausfällt und meist kürzere Garantien hat als die Module, sowie Klemmstellen und Leitungswege im Hinblick auf Salzkorrosion. Nichts davon zeigt sich von allein, wenn das Haus leer steht: Ohne Monitoring mit Alarmen und ohne jemanden, der darauf reagiert, entdeckt man im September, dass die Anlage seit Mai nur die Hälfte produziert hat. Deshalb funktioniert Eigenverbrauch besonders gut in betreuten Villen: jemand, der die Störmeldungen des Wechselrichters erhält, die Modulreinigung mit der Außenglasreinigung koordiniert, die Zeitprogramme von Pool und Klimatisierung an den Belegungsrhythmus anpasst, Legalisierungsunterlagen und Garantien verwahrt und die Anlage der Versicherung meldet – denn nicht angezeigte Module können bei einem Hagel- oder Sturmschaden Ärger machen. Richtig geplant ist Photovoltaik eine der wenigen Investitionen in einer Villa, die jeden Monat laufende Kosten senkt, die Energieausweisklasse verbessert und am Wohngefühl des Hauses nichts verändert.
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